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Black Box ist Pleite

April 2018

Markus Gotzi - Nah dran!

Insolvenz des Container-Verkäufers P&R beschäftigt die Branche

Und wieder einmal stimmen selbsternannte Experten den Abgesang der Beteiligungsbranche an. Grund ist diesmal die Pleite des Anbieters von Container-Direktinvestments P&R. Das Unternehmen meldete kürzlich Insolvenz an, unter anderem weil die Gesellschaften ihre fälligen Verbindlichkeiten gegenüber den Anlegern nicht mehr vollständig erfüllen konnten. P&R verkaufte seinen Kunden Container für den Seehandel, vermietete die Stahlboxen auf dem freien Markt an Leasinggesellschaften und Reedereien und erstattete den Käufern seinerseits eine fixe Miete dafür. Nach drei bis fünf Jahren nahm P&R die Container zurück und zahlte den Investoren rund zwei Drittel des ehemaligen Neupreises.

Intransparent und schwer zu durchschauen

Mit klarem Kopf stellt sich die Frage, wie so ein Modell 40 Jahre lang gut gehen konnte. Alleine der volatile Markt für Container mit seinen Preisschwankungen innerhalb weniger Jahre stellt es auf wackelige Füße. Das bedeutet nicht, dass Container-Investments grundsätzlich nicht gelingen können. Doch das P&R-Konzept ging letztlich nicht auf. Der Schaden ist noch nicht zu beziffern. Im schlimmsten Fall sind mehr als 50.000 Anleger betroffen. Von Verlusten in Höhe bis zu 3,5 Milliarden Euro ist die Rede. Doch das wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. Die Insolvenzverwalter sind dabei, die wirtschaftliche Lage der Gesellschaften zu beurteilen. Denn die P&R-Investments waren eine Black Box, intransparent und für die Anleger schwer zu durchschauen.

Bitte keinen Generalverdacht

Daher ist es auch falsch, nun eine gesamte Branche in Generalverdacht zu nehmen. Das Vermögensanlagegesetz und erst recht das Kapitalanlagegesetzbuch sorgen für Transparenz und Regulierung. Als Reaktion auf die Pleite des Windkraft-Anbieters Prokon im Mai 2014 wollte die damalige Bundesregierung den Anlegerschutz durch die Änderung zahlreicher Gesetze und Verordnungen verschärfen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Container, die P&R nun in Schieflage brachten, längst verkauft.

Alternative Assets sind gefragt

Jetzt nach noch strengeren Vorschriften zu schreien, wäre kontraproduktiv. Vielmehr sollte jeder einzelne Anleger sein Geld bewusster investieren. Sachwerte sind unternehmerische Beteiligungen. Eine Rendite deutlich über dem Zinsniveau auf den Kapitalmärkten gibt es nicht ohne Risiko. Darüber müssen sich die Kapitalanleger im Klaren sein. Der Bedarf an alternativen Investments ist nicht zu leugnen. Die Umsätze der AIF-Initiatoren steigen kontinuierlich, und auch die Anbieter der Modelle nach dem Vermögensanlagegesetz sind erfolgreich am Markt. Wer transparent und offen über seine Produkte informiert, sollte weiterhin seine Chance im Vertrieb und bei geeigneten Kunden bekommen.

Herzlich, Ihr Markus Gotzi

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