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Ein Blick zurück auf 2019

Dezember 2019

Negativzinsen und Mietendeckel prägen das ablaufende Immobilienjahr

Was wird vom Immobilienjahr 2019 in Erinnerung bleiben, wenn wir in Zukunft darauf zurückblicken? Als erstes wird uns wohl der Mietendeckel einfallen, mit dem der Berliner Senat versucht, die Wohnungsnot zu lösen. Aber das Jahr war auch von anderen Entwicklungen geprägt.

Experten und Medien waren sich einig wie selten: Panische Verzweiflungstat, Dilettantismus, grenzenlose Überforderung, politisches Versagen. In diesem Stil kommentierten sie den Mietendeckel. Dass die beschnittenen Wohnungsmieten die gewünschte Wirkung erzielen, ist mehr als fraglich. Welcher private Investor geht das Risiko ein, dass ihm die Politik einen Strich durch die Rentabilität macht? Wer wird Geld ausgeben, um seine Wohnungen zu sanieren, wenn er sie nicht teurer vermieten darf?

Mietenbremse lässt halb Berlin schlecht schlafen

Die Liste derjenigen, die den Mietendeckel ablehnen, zieht sich durch die Berliner Gelben Seiten. Natürlich zählt der Immobilienverband dazu, aber auch Handwerker wie zum Beispiel die Berliner-Tischler-Innung und Finanzierer wie die Berliner Volksbank. Sie alle plagen existenzielle Sorgen, was nur zu verständlich ist, wenn niemand mehr baut oder modernisiert. Bleibt nur die Hoffnung, dass sich das Virus des Mietendeckels nicht auf andere Metropolen Deutschlands ausweitet.

Uns sonst? Ist das Jahr 2019 natürlich geprägt von den Minuszinsen auf den Kapitalmärkten. Kreditnehmer dagegen zahlen teilweise sogar weniger zurück als sie aufnehmen. Verrückte Welt. Aber ein Turbo für die Immobilienmärkte. Daher bleiben die politischen Verwerfungen weitgehend ohne große Wirkung. Zwar hat sich europaweit die Konjunktur abgeschwächt. Die globalen Handelsvolumina sind auf Grund irrsinniger Handels- und Zollkriege rückläufig, die Folgen der eskalierenden protektionistischen Maßnahmen in Kombination mit einer schwächelnden globalen Nachfrage lassen die industrielle Produktion schrumpfen. Doch vor diesem Hintergrund hält sich der Dienstleistungssektor vergleichsweise gut: Die Beschäftigungsquote ist weiterhin hoch, Arbeitskräfte werden weiter eingestellt. Davon profitieren die Büromärkte.

So haben die Spitzenmieten in der Aggregation über alle sieben Hochburgen auf den deutschen Büromärkten in vier der Big-Seven-Städten im dritten Quartal 2019 noch einmal zugelegt. Noch schneller steigen allerdings die Preise. Doch vor dem Hintergrund der Nullzinsen schreckt das potenzielle Investoren nicht ab. Und der Run auf die Objekte dürfte sich fortsetzen – trotz der von Fachleuten prognostizierten weiter sinkenden Renditen.

Zwei Blondschöpfe als die größten Unsicherheitsfaktoren der Weltwirtschaft

Unsicherheiten auf den globalen Immobilienmärkten schaffen in erster Linie die politischen Wirrungen, wobei an vorderer Stelle der US-Präsident steht. Die knapp drei Jahre seiner Amtszeit sind geprägt von Handelskriegen, der Aufkündigung von internationalen Abkommen und bilateraler Verträge. Und die Bürger Großbritanniens haben nun endgültig klar gestellt, dass sie ihrem Premier-Minister Boris Johnson in den Brexit folgen werden – auch wenn die Folgen noch nicht absehbar sind. Zählen wir alle zu den Verlierern dieser Entwicklung, oder wird es auch Gewinner geben? Kann Deutschland zum Beispiel davon profitieren? Nicht wenige internationale Unternehmen wollen ihre Europa-Zentralen von der Insel abziehen. In Frankfurt zum Beispiel stehen Flächen zur Verfügung. Warten wirs ab.

Positiv ist die Entwicklung auf dem Markt der geschlossenen AIF. Eine Reihe von Neulingen hat die Bühne betreten. Andere haben ihre langjährige Pause beendet und meldeten sich mit ihrem ersten regulierten Produkt zurück. Andere ehemals große Player sind dagegen zurückhaltend. Sie erhoffen sich bessere Möglichkeiten mit einer neuen Art von Vehikel. Die Rede ist vom geschlossenen Sondervermögen. Es soll mit seinen digitalen Möglichkeiten vor allem den Vertriebsweg in die Banken finden. Schön wärs.

Das offene Sondervermögen trifft offenbar ebenfalls den Nerv der Anbieter. Eine ganze Reihe von Anbietern, die früher ausschließlich auf geschlossene AIF für private Kapitalanleger setzten, bieten seit dem Jahr 2019 erstmals auch offene Immobilienfonds für Kleinsparer an. Wird der Offene zum Turbo im Sachwerte-Geschäft? Im kommenden Jahr werden wir schlauer sein.

Herzlich, Ihr
Markus Gotzi

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