skip to Main Content

Fungibilität ist Trumpf

Juli 2019

Alte Hasen und Neulinge bringen offene Immobilienfonds an den Markt

Die lange Laufzeit bemängeln Vertriebspartner und ihre Kunden an den geschlossenen Immobilienfonds als erstes. Auf dieses Ergebnis einer Umfrage des Vermittlerverbandes AfW habe ich an dieser Stelle bereits hingewiesen. Die Anbieter von Sachwerte-Beteiligungen arbeiten daher an innovativen Modellen, die erheblich fungibler sein sollen. Real I.S.-Vorstand Jochen Schenk präferiert dabei, wie im vergangenen Beitrag erläutert, das geschlossene Sondervermögen. Andere bevorzugen gleich den offenen Fonds – und sind in ihren Plänen erheblich weiter. Und manches Schwergewicht der Branche mischt sein Angebot komplett neu.

KGAL hat den Vertrieb seines offenen Immobilienfonds „KGAL ImmoSUBSTANZ“ bereits am 1. März dieses Jahres gestartet. Ins Portfolio kommen Objekte an ausgewählten Immobilienstandorten in Deutschland und Europa. Dabei bevorzugt das Fondsmanagement Neubau- und Bestandsobjekte mit einem Investitionsvolumen von jeweils 15 bis 50 Millionen Euro aus den Segmenten Büro, Einzelhandel und Hotel.

Deka kommt gleich mit drei neuen Angeboten

Habona Invest setzt ebenfalls auf das offene Immobilien-Sondervermögen – und bleibt dabei seiner Geschäftspolitik treu. Das offene Modell wird, ähnlich wie die geschlossenen AIF, in Lebensmittelmärkte und Kindertagesstätten investieren. Innerhalb der kommenden fünf Jahre will der „Habona Nahversorgungsfonds Deutschland“ ein Portfolio im Volumen von 500 Millionen Euro aufbauen. Die Zielrendite liegt bei 3,5 Prozent.

Die Sparkassen-Tochter Deka hat intern bereits drei neue offene Immobilienfonds vorgestellt. Grund für die Ausweitung des Angebots ist die anhaltend hohe Nachfrage der privaten Kapitalanleger. Mögliche Kontingentausweitungen auf Basis des aktuellen Produktangebotes würden zu Qualitätseinbußen und zu sinkenden Renditen führen. Vor diesem Hintergrund könne die ungebrochene Nachfrage von Anlegern derzeit nicht komplett bedient werden.

Konkret arbeitet die Deka an einem Wohnfonds in Kooperation mit Corpus Sireo und kopiert damit das Konzept des Konkurrenten Union Invest aus dem Genossenschafts-Universum, der mit der ZBI kooperiert, einem Experten für Wohnimmobilien mit Wertentwicklungspotenzial.

Parallel dazu konzipiert Deka einen weiteren offenen Immobilienfonds mit „Fokus auf dynamische Metropolen als Core-Investment“. Er soll den „Deka Immobilien Europa“ ablösen, der voraussichtlich ab 2020 nur noch über Sparverträge und die Wiederanlage Kapital akzeptiert. Dritter im Bunde wird der „Deka Immobilien Pazifik Asien“ sein.

Auch geschlossene AIF werden gehandelt

Nichts gegen offene Immobilienfonds. Zeichner akzeptieren um den Preis der Fungibilität eine geringere Rendite. Und blenden aus, dass Anleger noch vor wenigen Jahren viel Geld mit den offenen verloren haben. Außerdem müssen auch Investoren geschlossener Fonds nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten, wenn sie Kasse machen wollen. Im Mai betrug der durchschnittliche Kurs für gebrauchte Immobilienfonds an der Fondsbörse Deutschland rund 80 Prozent. Gehen wir davon aus, dass die Verkäufer bereits einige Ausschüttungen erhalten haben, beenden sie ihr Investment in der Regel mit einem Plus.

Entscheidend für einen Gewinn unter dem Strich ist dabei die Qualität der Immobilien und des Fondsmanagements. Sonst bleibt der Inhaber auf seinem geschlossenen Fonds sitzen oder kann ihn nur mit erheblichen Abschlägen verkaufen. Wer aufs falsche Pferd gesetzt hat, wird seine Investitionsentscheidung bereuen. Das ist das Risiko jeder unternehmerischen Beteiligung.

Herzlich, Ihr Markus Gotzi

Back To Top