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Renaissance der Sachwerte

November 2018

Anbieter entdecken private Kapitalanleger neu

Die Zahl der aktiven Anbieter von Sachwertebeteiligungen für private Kapitalanleger ist in den vergangenen Jahren enorm geschrumpft. Von Initiatoren im ehemals deutlich dreistelligen Bereich hat ein harter Kern von vielleicht 25 bis 30 nennenswerten Marktteilnehmern durchgehalten.

Doch nun dreht der Trend. Eine Reihe von Unternehmen forciert ihre Wiederbelebung und beendet eine teils langjährige Platzierungspause. US Treuhand zum Beispiel. In einem der vergangenen Blog-Beiträge habe ich bereits über deren ersten Publikumsfonds seit mehr als zehn Jahren berichtet (siehe auch Fondsbrief Ausgabe Nr. 325). Nicht das einzige Unternehmen, das sich nach längerer Abstinenz wieder den privaten Kapitalanlegern zuwendet. KGAL hat das Privatkundengeschäft ebenfalls wiederentdeckt. Doch das Vertrauen in den geschlossenen Fonds – oder AIF – scheint hier noch nicht wiederhergestellt. Denn KGAL bietet den Kleinanlegern zunächst die Beteiligung an einer Anleihe und an einem offenen Immobilienfonds an.

Zweiklang aus Anleihen und offenen Fonds

Damit ist KGAL in guter Gesellschaft, denn auch andere Marktteilnehmer setzen auf den Zweiklang aus Anleihen und offenen Fonds. So wie die Doric-Tochter Quadoro. Pläne für einen offenen Immobilienfonds verfolgt außerdem Hannover Leasing. Die Nachfrage gibt den Unternehmen offenbar Recht. Denn der Neuabsatz der Offenen betrug im ersten Halbjahr rund 2,7 Milliarden Euro. Das deutet auf einen Mittelzufluss von 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro bis zum Jahresende hin – und damit erheblich mehr als der prognostizierte Gesamtumsatz der Anbieter geschlossener AIF. Und dennoch kein überragendes Ergebnis, doch dafür gibt es einen Grund: Zahlreiche Fondsgesellschaften nehmen derzeit Mittel nur begrenzt oder gar nicht an, denn vor allem bei großvolumigen Objekten ist der Wettbewerb derzeit so stark, dass sie das Geld nicht oder nur mit Verzögerung investieren können.

Bei der Vorliebe für die offenen Vehikel drängt sich allerdings die Frage auf, ob die Anleger vergessen haben, wie gewaltig die Verluste sind, die sie mit offenen Immobilienfonds erleiden mussten: 8,3 Milliarden Euro. So viel Geld verloren die Inhaber der insgesamt 17 offenen Immobilienfonds, die zwangsweise ihre Objekte verkaufen mussten, weil sie im Zuge der Immobilienkrise im Jahr 2008 nicht mehr in der Lage waren, ihre verkaufswilligen Investoren auszuzahlen. Notgedrungen mussten sie schließen und ihre Portfolien liquidieren. Selbst in Zeiten steigender Immobilienmärkte gelang ihnen das nur mit teilweise enormen Wertverlusten. Dabei beschränkt sich das Minus nicht nur auf private Kapitalanleger. Angebote für institutionelle Investoren büßten bis zu 67 Prozent ihrer ursprünglichen Werte ein.

Mangelnde Fungibilität als Vorteil des geschlossenen Fonds

An dieser Entwicklung zeigt sich, dass die mangelnde Handelbarkeit – Fungibilität –  als vermeintlicher Nachteil eines geschlossenen Fonds durchaus davor schützen kann, viel Geld zu verlieren, wie Gabriele Volz, Geschäftsführerin der UniCredit-Tochter Wealthcap kürzlich auf der Immobilienmesse Expo Real ausführte. Vor allem am Ende eines Zyklus habe der geschlossene Fonds deutliche Vorteile gegenüber einem offenen Modell. „In den USA zum Beispiel sind wir mit all unseren geschlossenen Fonds durch die Krise gekommen und haben eine Rendite von im Schnitt sieben Prozent erzielt. Mit einem offenen Fonds hätten die Kunden Liquidität eingefordert – und wir zum schlechtesten Zeitpunkt verkaufen müssen.“

Herzlich, Ihr
Markus Gotzi

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