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Trendwende auf dem AIF-Markt

März 2020

Trotzdem suchen Anbieter nach Alternativen zum geschlossenen Fonds

Strafzinsen für Erspartes und keine Aussicht auf eine Änderung der Situation. Langsam begreifen die Anleger, dass sie mit Sachwerten gut beraten wären. Und langsam kommt die Branche in Schwung. Der Abwärts-Trend ist gestoppt. Über die Ergebnisse seiner Marktstudie über die Eigenkapital-Umsätze im Jahr 2019 informierte Stefan Loipfinger die rund 80 Teilnehmer des diesjährigen Sachwerte-Kolloquiums – bereits die vierte Veranstaltung in Folge, die von Loipfinger, Friedrich Andreas Wanschka und mir organisiert wird. Impressionen von der Veranstaltung.

Mit rund 1,5 Milliarden Euro setzten die Anbieter von geschlossenen Publikums-AIF im vergangenen Jahr knapp 50 Prozent mehr um als im Jahr zuvor. Und trotzdem sucht eine Reihe von ihnen nach Alternativen und ist dabei auf den offenen Immobilienfonds gekommen. Dieses Vehikel bieten erstmals zum Beispiel Real I.S., Habona und die Doric-Tochter Quadoro ihren privaten Kapitalanlegern an. Wobei die Einschätzung der Unternehmen in Sachen geschlossene Publikums-AIF differenziert. So kündigte Real I.S.-Vorstand Jochen Schenk etwa an, geschlossene Strukturen nur noch ausnahmsweise zum Beispiel bei Australien-Fonds anzubieten. Die Entscheidung der Landesbank-Tochter deutete sich bereits seit geraumer Zeit an. Nicht ohne Grund engagiert sich Schenk in seiner Rolle als ZIA-Vizepräsident für die Einführung neuer Investment-Vehikel wie dem geschlossenen Sondervermögen.

Hohe Risikoklasse der geschlossenen AIF schreckt Banken ab

Mit seiner Meinung zum geschlossenen Publikums-AIF steht der Real I.S.-Vorstand nicht alleine. Michael Denk von Quadoro lehnt das geschlossene Modell für private Kapitalanleger kategorisch ab. Alleine die hohe Risiko-Kategorisierung von fünf oder höher würde den Vertrieb über Banken belasten. Offene Immobilienfons dagegen werden in die Risikoklasse zwei eingeordnet. (Offenbar hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass der AIF ebenfalls ein reguliertes Produkt ist.) Habona-Geschäftsführer Guido Küther dagegen will die Kunden künftig parallel erreichen – sowohl mit den bislang bei Habona üblichen geschlossenen Publikumsfonds als auch mit dem neuen offenen Modell.

Als Vorteil der offenen Struktur nennt er den Zugang in die Banken. Nach schlechten Erfahrungen mit geschlossenen Fonds haben die meisten Banken und Sparkassen den AIF trotz Regulierung und BaFin-Überwachung aus ihren Häusern verbannt. Bei den offenen Fonds dagegen gibt es offenbar keine Berührungsängste. (Wobei alle Beteiligten offenbar gut verdrängen können, dass die offenen Fonds im Zuge der Zwangs-Liquidierung Milliarden Euro verbrannt haben.) Das scheint ihr Image nicht zu beschädigen. Der BVI meldet für das vergangene Jahr Mittelzuflüsse in Höhe von elf Milliarden Euro – wobei es deutlich mehr sein könnte, hätten manche offenen Fonds keinen Platzierungsstopp eingelegt, weil sie von den Kundengeldern nahezu überschwemmt wurden und nun erst einmal auf der Suche nach geeigneten Immobilien sind.

Ein Luxus-Problem, von dem die Anbieter geschlossener AIF – mit Ausnahme von Jamestown – nur träumen können. Sie sind quer durch die Bank auf der Suche nach neuen Vertriebswegen. Der digitale Direktvertrieb wird das noch nicht sein. In dieser Einschätzung waren sich alle Teilnehmer einig. Zu kompliziert, zu aufwendig. Wer sich bis zum Abschluss online durch 20 Seiten klicken muss, ist am Ende verwirrter als zu Beginn. Außerdem wird kaum jemand 10.000 Euro oder mehr ohne Beratung investieren. Das gelingt beim Crowdfunding mit Tickets ab 100 Euro schon eher.

Tippgeber-Modell für Versicherungsmakler

Viel versprechend erscheint der Vorstoß der Fondsbörse Deutschland in Kooperation mit Jung DMS & Cie. Über die digitale Handelsplattform Capital Pioneers können Versicherungsmakler ohne Lizenz nach 34f ihre Kunden über die Möglichkeiten eines Sachwerte-Investments informieren. Die Beratung und die Abwicklung der Zeichnung übernehmen nach der Anbahnung die Profis von Capital Pioneers. Die Versicherungsmakler treten hierbei lediglich als Tippgeber auf. Offenbar kommt das Modell gut an. Helmut Schulz-Jodexnis von Jung DMS & Cie. berichtete auf dem Sachwerte-Kolloquium, dass rund 40 Makler mit Zugang zu einer Vielzahl von potenziellen Kunden bereits einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben. Bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Herzlich, Ihr
Markus Gotzi

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